Aus meinem Leben


Am 30 Juli 1972 kurz nach Mitternacht erblickte ich, als zweitälteste Tochter von Fini und Ruedi Hunkeler das Licht der Welt. Auf dem Bauernhof in Altishofen verbrachte ich zusammen mit meinen drei Geschwistern Anita, Rolf und Reto eine wunderschöne Kindheit. Nach dem Kindergarten absolvierte ich die obligatorische Schulzeit und anschliessend eine kaufmännische Lehre. In meiner Freizeit arbeitete ich oft auf dem Bauernhof und verbrachte viel Zeit bei den Tieren die ich über alles liebe. 

 

"Am 22.02.94 nahm mein Leben eine folgenschwere Wende."


Auf dem Weg zur Arbeit hatte ich einen Autounfall und wurde gelähmt. Nach meiner Rehabilitation in verschiedenen Spitäler und im Schweizer Paraplegikerzentrum in Nottwil begann ich mein neues Leben. 

Im Januar 1996 reiste ich für 5 Monate nach Florida um die englische Sprache zu erlernen. In jener Zeit begann ich auch Sport zu treiben – aus Freude, Spass und Abwechslung zum Alltag. Der Rollstuhlsport fesselte mich und ich nahm an ersten Wettkämpfen teil und begann seriös und intensiv zu trainieren.


"Mein grosses sportliches Ziel war es, an den Paralympischen Spielen in Sydney 2000 teilzunehmen."


Jener Traum wurde mir jedoch nicht erfüllt. Beim letzten Rennen vor den Spielen, am Marathon von Brlin stürtze ich so schwer, dass eine Teilnahme unmöglich wurde. Damals war dies ein grosser Rückschlag für mich – Rückblickend habe ich in dieser Zeit aber sehr viel gelernt. Habe ich doch in dieser Zeit die Kraft für meine späteren Erfolge erworben. 

 

Schon 2 Jahre später wurde ich in Lille das erste Mal Weltmeisterin und konnte an meinem Debüt an den Paralympischen Spielen 2004 in Athen 2 Silbermedaillen (1500m und 5000m) gewinnen.

 

"Gute und schlechte Erinnerungen an die Weltmeister-schaften in Assen 2006."


Die Welstmeisterschaften in Assen begannen als das sportliche Highlight meiner Karriere. Nach den ersten 5 Rennen habe ich schon 3 Gold- (800m, 1500m und 5000m) und 2 Bronzemedaillen gewonnen und nun stand noch meine Paradedisziplin, der Marathon an... In Führung liegend hatte ich kurz vor dem Ziel ein schwerer Unfall und musste mit der Rega in die Schweiz zurückgebracht werden. Nach 2 schweren Operationen haben mir die Ärzte erklärt, dass ich nie mehr Leistungssport treiben kann... Sollte meine Karriere ein solch jähes Ende nehmen? So schnell wollte ich aber nicht aufgeben! Nach 2 Monaten Spitalaufenthalt und einem halben Jahr Reha kämpfte ich mich zurück mit dem Ziel Paralympische Spiele in Peking 2008.


"Zuerst das grosse Leiden und danach einem Happy End in Peking."


Gut vorbereitet startete ich in Peking zu meinem ersten Rennen über 5000m. Alles lief perfekt und wiederum in Führung liegend erreignete sich auf der vorletzten Runde ein spektakulärer Sturz. Trotz sehr hinderlichen Verletzungen wollte ich nicht abreisen und erkämpfte mir über 1500m eine Bronzemedaille. Im letzten Rennen der Spiele konnte ich in einem fantastischen Schlussport die Goldmedaille im Marathon gewinnen. Mein Traum, einmal Olympiasiegerin zu werden sollte doch noch Wahr werden!


"Am 14. September 210 wurde ich zum ersten Mal Mami - meine Tochter Elin erblickte das Licht der Welt."


Es ist eine bedingungslose Liebe und Dankbarkeit, die ich niemals zuvor empfinden durfte. Meine kleine Familie bedeutet mir alles und fortan schauen wir zu dritt auf eine spannende Zukunft. 

Kurz nach der Geburt habe ich das Training wieder aufgenommen, da ich den Rennsport vermisst habe.


"London 2012 - eine unvergessliche Zeit!"

 

Für die Vorbereitung auf die Spiele in London reisten wir im Winter mit der ganzen Familie für 2 Monate nach Sydney. Nach einem guten Aufbau verlief die Vorbereitung wegen Verletzungen und Krankheiten sehr ungünstig. Bis wenige Tage vor der Eröffnung der Spiele war die definitive Teilnahme unsicher.

Die letzten Test verliefen aber positiv und mit viel Freude und Hoffnung reiste ich nach London.

London wird nicht nur wegen den unglaublichen Erfolgen (Gold über 5000m, 2x Silber 1500m und 800m, Bronze 400m) für immer unvergesslich bleiben. Die Stimmung im Stadion und die ganze Atmosphäre in London war unbeschreiblich. 


Nach den Paralympics begleiteten mich immer wieder gesundheitliche Probleme, die immer intensiver wurden. Dennoch bereitete ich mich einmal mehr mit einigen Umwegen auf die Weltmeisterschaften in Lyon vor. Eine Silberne über 1’500m und drei Bronze Medaillen über 800m, 5’000m, und Marathon waren die Erfolge einer intensiven Zeit. Kurz darauf wurde ich erneut krank, dass ich meine Saison frühzeitig beenden musste und fortan unter ärztlicher Behandlung stand.

 

"...und wie weiter?"


Dank dem Sport konnte ich viele unvergessliche Momente erleben und habe viele wunderbare Menschen getroffen. Ich bin allen sehr dankbar, welche mir dies alles ermöglicht haben.

Nun geht meine sportliche Karriere zu Ende. Der Sport bedeutet mir unheimlich viel, aber die Gesundheit ist ein wichtiger Grundstein des Erfolges. Es war eine wunderschöne Zeit, die mein Leben geprägt und bereichert hat.


"Mal sehen, wohin mich diese Reise noch bringt..."

Ich geniesse

jeden Moment

Ich bin dankbar und glücklich! Und ich bin gespannt, wie die Reise weitergeht.

 

Im März 2015 musste ich aus gesundheitlichen Gründen vom geliebten Spitzensport zurücktreten. Heute kann ich frohen Mutes sagen, ich vermisse den Wettkampf nicht. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich meine Leidenschaft, das Training, immer noch fast täglich ausleben kann.

 

Daneben bin ich so engagiert, wie kaum zuvor. Ich halte beispielsweise Referate über Wille, Stärke und Motivation. Das gibt mir grosse Befriedigung, denn ich sehe in den Augen der Zuhörer immer wieder, wie ihnen meine Geschichten Mut machen.

 

Eine Herzensangelegenheit sind natürlich weiterhin meine Engagements als Botschafterin für die Laureus-Stiftung für Kinder und Sport sowie für das Kinderhilfswerk World Vision Schweiz, für das ich mich auch durch Projektbesuche einsetze. Damit kann ich benachteiligte Menschen etwas unterstützen.

 

Daneben darf ich immer wieder an spannenden Anlässen dabei sein. Wie beispielsweise an der Kunstbiennale «Manifesta» in Zürich, als ich Teil eines Werkes des berühmten Künstlers Maurizio Cattelan geworden bin (siehe Foto oben), in dem er mich im Rollstuhl über den Zürichsee gleiten liess. Was für ein auf- und anregender Moment!

 

Vor allem aber geniesse ich meine Familie. Mit meiner Tochter Elin und meinem Mann Mark zusammen zu sein, Sport zu treiben oder einfach im Garten zu spielen.

 

Ich freue mich auf weitere spannende Augenblicke und Begegnungen.

 

Herzlich

Edith